Hallo und herzlich willkommen zum Samstagskaffee! “Es ist Sommer egal, ob du schwitzt oder frierst, Sommer ist was in deinem Kopf passiert…” hört man die Wise Guys jedes Jahr wieder aus den Schwimmbad-Lautsprechern trällern. Besonders dann, wenn es eher ein nass-kalter, typisch deutscher Juli ist – danach sieht es im Moment erfreulicherweise aber nicht aus.

Dass Sommer dennoch eine Frage der inneren Einstellung sein kann, wissen gerade auch Strickbegeisterte: Ein Sommerteil aus Mohair über die Nadeln fliegen lassen oder heute schon an das Herbstmodell von morgen denken? Wir Stricker*innen sind da kreativ und flexibel, gell?!

Deshalb haben wir heute neben klassischen Tops eine – im wahrsten Sinne des Wortes – bunte Mischung an Strickinspirationen für euch zusammengestellt. Viel Spaß damit!

Ein bisschen Juni geht immer. Auch im Juli

Sie hat es mal wieder getan: Die Dänin Mette, uns allen besser bekannt als PetiteKnit, hat eine neue Anleitung veröffentlicht und natürlich darf der skandinavische Chic, der ihre Modelle auszeichnet, in keinem Samstagskaffee fehlen.

Ihr June-Top ist ein wunderbar schlichtes Trägertop, das ein gutes Einstiegsprojekt für Anfänger*innen sein dürfte und geübten Stricker*innen bestimmt schnell von der Hand bzw. den Nadeln geht. Gestrickt wird das Shirt im Tanktop-Style (also mit etwas breiteren Trägern) von unten nach oben.

Ihr strickt lieber von oben nach unten, weil ihr dann zwischendurch probieren könnt?
Auch das ist kein Problem: Die Anleitung bietet nämlich eine alternative Methode. Dabei wird in der Mitte mit einem provisorischen Anschlag begonnen und dann erstmal nach unten in Runden gestrickt, bevor am Ende die Träger dran sind.

June Top
June Top FOTO: © PETITEKNIT

Doch damit hört es nicht auf mit der Variantenvielfalt. Nicht überall ist der Sommer so frisch, wie es die Bilder aus dem hohen Norden auf Mettes Instagram-Profil manchmal zeigen. Vielleicht gibt es deshalb neben dem etwas dickeren June Top noch eine weitere Anleitung, nämlich für das June Top Light. Bei dieser noch sommerlicheren Option ist der Rückenausschnitt etwas tiefer, allerdings immer noch ausreichend, dass der BH darunter verschwindet.

Während das Original entweder einfädig aus Mandarin Naturell von SANDNES GARN oder zweifädig aus Pure Silk von KNITTING FOR OLIVE gearbeitet wird, wird für die Light Version Pure Silk nur einfädig verstrickt – mit entsprechend kleineren Nadeln natürlich. Für alle drei Varianten hat euch Jule schon praktische Kits in den Shop gepackt.

Eine fallen lasse, drei im Sinn, Wurzel aus 43…

Stricken hat erstaunlich viel mit Mathematik zu tun. Zugegeben, beim Ausführen reicht es meistens, wenn man zählen kann (was sich einfacher anhört als es bei 228+x Maschen auf der Rundstricknadel tatsächlich ist…), beim Designen aber schaden weder Geometrie- noch Algebra-Kenntnisse. Die studierte Mathematikerin Jennifer ist in Sachen Strickdesign als Knithagoras unterwegs – in Anlehnung an den alten Griechen Pythagoras und seinen Satz zum… na, wer erinnert sich noch… genau: Dreieck.

Spring Fling Tee
Spring Fling Tee FOTO: © Knithagoras

Ihr Spring Fling Tee glänzt also nicht ganz zufällig mit einer ausgeklügelten Struktur. Das figurbetonte Shirt im Rippenmuster ist auch wegen seiner Schulterpartie interessant: Sie wird mit der sogenannten Contiguous-Methode gearbeitet, die in der Anleitung im Details erklärt wird. Diese Art der Konstruktion ermöglicht es, nahtlos von oben nach unten zu stricken (1. Pluspunkt!) und gleichzeitig die Schulterpartie durch entsprechende Zunahme an die eigene Körperform anzupassen (2. Pluspunkt!).

In Sachen Garnauswahl gehen wir bei Jennifers Vorschlag mit: Organic Cotton von KREA DELUXE. Die GOTS-zertifizierte Baumwolle gibt es unter anderem in herrlich sommerlichen Pastell-Tönen.

Eine Liebeserklärung ans Stricken und an die Vielfalt

Das Schreiben von Liebesbriefen ist im digitalen Zeitalter nicht mehr so im Trend, habe ich den Eindruck. Das ist einerseits schade, andererseits ist auch nicht jeder bei der Geburt ins poetische Tintenfässchen gefallen. Da ist ein Herzchen-Emoji dann vielleicht ohnehin die bessere Wahl.

Eine Liebeserklärung der wolligen Art machen uns Alexa und Emily von TinCanKnits: Love Note ist ein leichter Pullover, der sich perfekt zum Drüberziehen an etwas kühlen Sommerabenden eignet. Der Sweater mit dem feinen Lacemuster wird von oben nach unten gestrickt und ist eher kurz gehalten. Wer es dennoch lieber länger hat, dreht einfach ein paar zusätzliche Runden vor dem Bündchen.

Love Note Foto: © TinCanKnits
Love Note im Details

Immer mehr Designer*innen bemühen sich, ihre Modelle size-inclusive zu gestalten, also eine Bandbreite von verschiedenen Größen und somit ein Kleidungsstück für Menschen mit den unterschiedlichsten Körperformen anzubieten. Love Note ist der Beweis dafür, dass dieses Thema für die kanadischen Schwestern eine echte Herzensangelegenheit ist: Die kleinste Größe ist nicht XS, sondern Baby, sprich ein Pullöverchen für das Alter von 0-6 Monaten. Die Skala reicht nach oben bis 5XL. Wer möchte, kann also die komplette Familie mit diesem Design einstricken – wenn das mal nicht Liebe ist.

Je nachdem wie so euer persönliches Wärmeempfinden ist oder wann ihr den Sweater tragen möchtet, könnt ihr die Garnauswahl anpassen: Etwas wärmer und kuscheliger strickt ihr mit Organic Wool 1 und Deluxe Silk Mohair von KREA DELUXE. Schon mehr in Richtung Sommer geht die KNITTING FOR OLIVE-Kombination aus Pure Silk und Soft Silk Mohair. So richtig leicht und luftig wird Love Note einfädig aus Løvetand von CAMAROSE oder Morning Salutation Vegan Fino von KREMKE SOUL WOOL.

Sommer ist mehr als Pinacolada, Stracciatella und Sonnencreme: Es wird bunt!

Ja, wir lieben cleane Schnitte und cremefarbene Shirts. Aber warum soll’s nicht auch im Sommer mal bunt werden?! Dass das Thema Colorwork nicht nur was für den Winter ist, zeigen unsere nächsten beiden Modelle.

Ghost Horses Foto: © Caitlin Hunter

Caitlin Hunter lebt mit ihrem Mann und drei Söhnen in Alaska. Kein Wunder also, dass sie gerne dicke Sweater, Cowls und Mützen entwirft. Die studierte Modedesignerin hat sich viel mit traditionellen Mustern und Techniken befasst. Unter ihrem Label Boyland Knitwear veröffentlicht sie auch aufwändigere Colorwork-Anleitungen.

Dass diese Technik keinesfalls auf die kühle Jahreszeit beschränkt sein muss, zeigt ihr Shirt Ghost Horses. Konstruiert ist das prächtige Stück mit einer Rundpasse, über die sie eine Herde Pferde traben lässt. In Sachen Garn empfehlen wir euch entweder mit Cotton Merino von KNITTING FOR OLIVE einen echten Allrounder aus Baumwolle und Schurwolle oder – falls ihr Tiere nur im Muster, aber nicht im Material möchtet – Organic Cotton von KREA DELUXE.

Die wahre Herausforderung ist bei Colorwork-Modellen weniger die Material- als vielmehr die Farbauswahl. Um euch da das Leben und die Entscheidung leichter zu machen, gibt es seit einiger Zeit im Maschenfein-Shop auf Garnseiten die Funktion “Farben vergleichen”. Damit könnt ihr euch die Knäuel digital nebeneinander legen und so die perfekte Harmonie oder den krachigen Farbkontrast – ganz nach Gusto – zusammenstellen.

Ab in den Buchladen? Bei jedem Wetter eine gute Idee

Diese Funktion könnte auch bei unserem zweiten Farbklecks hilfreich sein: Vellichor von Andrea Mowry ist ein relaxtes Shirt, das in der Länge eher “cropped” geschnitten ist, also relativ kurz. Die Idee, das strukturierte Strickstück so zu nennen, kam Andrea bei einem Streifzug durch ihre Lieblingsbuchläden in Portland. Es beschreibt die Atmosphäre und den ganz speziellen Geruch in Antiquariaten: ja – dafür gibt es tatsächlich ein eigenes Wort. Etymologisch setzt es sich zusammen aus “vellum”, lateinisch für “Pergament”, und “ichor”, altgriechisch für “Blut der Götter”. Ganz ohne Blutvergießen wird aber hoffentlich der Strickvorgang ablaufen (so spitz sind selbst Nadeln von CHIAOGOO ja zum Glück nicht…)

Vellichor Foto: © Andrea Mowry

Garntechnisch eignet sich ein dünnes Sommergarn, also zum Beispiel Tynn Line von SANDNES GARN, von dem aktuell wieder viele Farben vorrätig sind. Der Run auf das Leinengarn ist nach wie vor ungebrochen. Eine andere, auch sehr feine Option wäre Puno Winikunka von PASCUALI. Was die Farbauswahl angeht, rate ich euch, mal durch die Bildergalerie auf der Anleitungsseite bei Ravelry zu klicken: Zweifarbig macht das Muster etwas her, aber auch drei- oder vierfarbig habt ihr jede Menge Möglichkeiten, euch kreativ auszutoben.

Wer sich beim Lesen gerade gedacht hat: “Der Name sagt mir doch was…”, der liegt richtig. Andrea Mowrys Designs sind auch in der Maschenfein-Community sehr beliebt. Ihren Weekender findet ihr in den Ravelry-Charts ganz weit oben. Wer schon mal für den Winter loslegen will, findet das entsprechende Strickkit im Shop. Es gibt aber inzwischen auch eine “Light”-Version für den Sommer, um die ich schon eine ganze Weile herumtänzle. Aber bis der in meiner Strickliste dran wäre, ist wahrscheinlich eh schon Zeit für das Wintermodell…

Einmal Pizza Funghi – ohne Käse, aber als Slipover, bitte.

Wer ein Strickstück designt, darf ihm auch den Namen seiner Wahl geben. Klar. Wie Rikke alias Refined Knitwear bei ihrem fluffig-leichten Slipover auf Fungus gekommen ist, verrät sie uns in der Anleitung nicht. Vielleicht hat sie an die weichen Lamellen gedacht, die sich unter dem Champignon-Hut verstecken. Wer weiß…

Fungus Slipover
Fungus Slipover Foto: © Rifined Knitwear

Wie ein Glückspilz darf sich aber sicher jede fühlen, die sich nach getaner Strickerei das zarte Teilchen überwerfen kann: Der heimliche Star ist hier das doppelte Perlmuster, das sich von Bündchen und Kragen optisch absetzt. Die Schulternähte liegen auf dem Rücken, so dass ein weicher, nahtloser Fall im vorderen Bereich mit überschnittenen Schultern entsteht. Gestrickt wird das Wölkchen aus zwei Fäden Soft Silk Mohair von KNITTING FOR OLIVE. Dabei könnt ihr mit einer Farbe oder auch mit zwei verschiedenen Tönen arbeiten, so dass ein dezentes Farbspiel entsteht.

Wer Mohair ausschließlich für den Winter reserviert (soll’s geben, Flausch hin oder her), wird bei Refined Knitwear aber auch fündig. Das Linea Top ist ein süßes Hängerchen aus Pure Silk von KNITTING FOR OLIVE. Vorder- und Rückseite sind identisch und werden zunächst separat gestrickt. Unter den Armen wird dann zur Runde geschlossen. Die vertikalen Linien, die dem romantischen Stil ein bisschen cleane Strukturiertheit verpassen, entstehen durch simple, aber effektvolle Umschläge. Zusammengehalten wird das Ganze von I-Cord-Bändchen, die über den Schultern verknotet werden.

Linea Top
Linea Top Foto: © Rifined Knitwear

Netzgeflüster und Maschenfeinstrickrunde

Vor Kurzem erschien wieder das Ranking der weltweit lebenswertesten Städte. Ganz oben: Wien! Ich kann das aufgrund von zahlreichen Besuchen in der österreichischen Metropole nur bestätigen. Manuela hat sogar das Glück, dort zu leben. Für einen etwas frischeren Abend in einem Wiener Beisl ist sie bestens gerüstet mit ihrem neuen Osaka-Schal.


Wieder ganz am Anfang steht Mary, da durfte nach einer kleinen Ribbelrunde nämlich vor wenigen Tagen ein neues Modell aus der Honey-Serie von PetiteKnit auf die Nadeln hüpfen. Diesmal soll es eine Honey-Purse werden, die große Schwester der Honey-Clutch, und zwar aus Sisu von SANDNES.

Osaka Schal Foto: © instagram.com/manuela_strickt
Honey Purse Foto: © instagram.com/nadel_und_garn

Unabhängig von der Jahreszeit stellt sich mir derzeit wieder ganz arg die Frage: Monogam oder mehrere Projekte? Eigentlich gehöre ich zur Fraktion Abwechslung, aber im Moment hänge ich brav an meinem Cumulus Tee. Das soll nämlich endlich fertig werden (… was sich mit 2,5er Nadeln langsam richtig zieht…) und wenn ich da auch noch hin- und herspringe – dann badet das Teil nicht vor Oktober. Aber andererseits soll ja auch der Girlfriendscardigan weiter wachsen und so ein June-Top wäre ja auch nicht schlecht und…

Wie geht’s euch da so? Könnt ihr der Versuchung widerstehen oder braucht ihr öfter mal Abwechslung auf den Nadeln?

In jedem Fall hoffen wir, dass euch auch dieser Samstagskaffee wieder inspiriert hat – entweder für jetzt oder eben für später.

Schönes Strick-Wochenende!

Judith

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4 Kommentare

Eva Roder

Welche Nadel Stärke ist für feine garne am besten? Wie kann man die Anleitung vorher mal durchlesen? Bevor ich mich zum Kauf entscheide, muss ich ja wissen, ob ich das kann und hinbekomme.
Danke

Judith Werner

Liebe Eva, wir verlinken ja immer die Anleitungen der vorgeschlagenen Modelle – die meisten führen zu Ravelry und dort gibt es in der Regel recht ausführliche Beschreibungen, wie das Design gestrickt wird. Manche Designer*innen geben auch an, ob es für Anfänger*innen geeignet ist und/oder welche Techniken verwendet werden. Und wenn man gar nicht weiterkommen sollte, gibts zum Beispiel in der Maschenfein-Gruppe auf Facebook immer tolle Tipps.
Bei den Beschreibungen der Modelle bzw. beim verwendeten Garn findest du auch immer eine Angabe zur Nadelstärke. Das ist allerdings nur eine grobe Richtung. Welche Stärke für dich am besten ist, findest du mit der Maschenprobe heraus. Ich weiß: Maschenproben machen nicht unbedingt Spaß, weil man ja am liebsten gleich loslegen will. Aber gerade bei größeren Kleidungsstücken sollte man sie unbedingt machen, damit man nachher nicht mit einem zu großen oder zu kleinen Pullover, Shirt etc. dasteht. Wäre ja schade um die ganze Arbeit.
Insgesamt würd ich sagen: Trau dich einfach! Im schlimmsten Fall heißt es: ribbeln und neu anfangen.
Liebe Grüße und schönes Wochenende, Judith

Michaela

Was für tolle Inspirationen hier wieder gezeigt werden. Ich freue mich immer sehr auf den Samstag. Cumulus Tee mit Nadeln Nr 2,5 ist auch bei mir auf den Nadeln. Nachdem ich da Ergebnis (Rumpf) mit Nadeln 2,75 wieder aufgetrennt habe 🙈. Ich wünsche allen ein wunderschönes Wochenende.

Judith Werner

Vielen Dank, liebe Michaela. Heute morgen – pünktlich zum Samstagskaffee – durfte mein Cumulus ins Bad hüpfen. Freue mich schon aufs erste Tragen und drücke die Daumen, dass es bei dir auch bald soweit ist. Ein schönes Wochenende, Judith

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