{Der richtige Abschluss}

Muss man Strickprojekte nach dem Abketten eigentlich wirklich unbedingt waschen und spannen? Oder liegend trocknen lassen? Was heißt das eigentlich, dieses Spannen? Und muss man das etwa nach jeder Wäsche tun?

Das Thema “Spannen” war bereits 2019 bei unserem ersten Muttertagstuch-Knit-Along zum Tuch Zora in aller Munde. Auch das diesjährige Tuch Lotti, das zum Muttertag entstehen soll, muss am Ende gespannt werden, um erstens die volle Wirkung des Musters zu entfalten und aber auch zweitens, um auf die ganze Größe zu wachsen.

Muttertagstuch Lotti
Erst nach dem Waschen und Spannen entfaltet das Muttertagstuch Lotti seine Größe.
Foto: ©️ Ines Grabner / Maschenfein

Aber um euch zu beruhigen: In meinem ersten Strickleben wusste ich auch noch nichts vom richtigen Abschluss beim Stricken. Doch als ich vor einigen Jahren (wieder) mit dem schönsten Hobby der Welt begann, begegneten mir die Begriffe “Spannen” oder “Blocken” immer wieder. Man fand damals wenig darüber im Internet – ich wusste also schlichtweg gar nicht, was genau ich tun sollte. Ich entdeckte einige Artikel über das Spannen von Lace-Tüchern, da ich aber so gar kein Lace strickte, wusste ich nicht so recht, ob das das Spannen ist, was auch ich tun sollte.

Tücher spannen – vorher/nachher

Heute bin ich um einiges schlauer und weiß, dass das Spannen überhaupt keine Hexerei ist, sondern eben genau das: spannen eben. Und ich habe gelernt, dass nicht nur Lace-Projekte gewaschen und gespannt werden sollen (auch wenn der Effekt bei diesen Mustern sehr deutlich hervortritt), sondern eben auch ganz einfach glatt rechts gestrickte Projekte.

Hier seht ihr den Unterschied ganz deutlich. Die ersten beiden Bilder sind vor dem Waschen und Spannen entstanden, die beiden rechten danach.
Fotos: ©️ Sandra Groll

Anhand des Beispiels auf den Bildern rechts könnt ihr den Effekt, den das Spannen auf ein Tuch auch ohne Lochmuster hat, sehr deutlich erkennen. Die beiden linken Bilder zeigen das Modell-Tuch Djuna aus meinem zweiten Tücherbuch einfach direkt nach dem Abketten über die Puppe gehängt.

Nach dem Spannen seht ihr dasselbe Tuch auf den zwei rechten Bildern. Und ihr erkennt sicher deutlich den Unterschied: Wie wunderbar glatt, sauber und ordentlich es nun aussieht und wie schön es gewachsen ist.

Üblicherweise gleicht sich das Maschenbild durch das Waschen und Spannen an, oft “flufft” das Garn (je nach Fasermaterial) schön auf, entfaltet sich, wird weich.

Waschen und spannen – die Anleitung

Und wie funktioniert das nun genau? Also was genau müsst ihr tun? Sandra hat es euch Schritt für Schritt fotografiert, als sie gerade ihr Patchwork-Tuch Salma – damals mit einer anderen Garnkombi als das aktuelle Kit – fertigstellte.

(1) bis (3): Weicht das Strickstück mit einem passenden Waschmittel eurer Wahl (oder auch nur in lauwarmen Wasser) im Waschbecken ein. Passende Waschmittel stelle ich weiter unten noch vor. Etwa 10 Minuten reichen aus. Das Stück sollte sich so richtig schön mit Wasser vollgesogen haben, ihr könnt es auch länger im Becken liegen lassen, aber Achtung:

Farben können im ersten Waschgang ausbluten!

Habt ihr mit stark kontrastierenden Farben gestrickt, bleibt unbedingt daneben stehen und beobachtet, ob die Farben “ausbluten”. Färbt sich das Wasser stark, solltet ihr es ablassen, das Strickstück unter dem laufenden Hahn weiter einweichen und dabei verhindern, dass die Farbe auf andersfarbige Abschnitte abfärbt.

Wasser sanft ausdrücken

(4) bis (5): Lasst dann das Wasser ab und drückt das Stück sanft aus, nehmt es aus dem Becken und breitet es (6) auf einem großen, trockenen Handtuch aus. Rollt es (7) in das Handtuch ein und drückt oder lauft (8) ordentlich darauf herum, um die Feuchtigkeit aufzusaugen.

Wenn Ihr euer Strickstück nicht stark spannen möchtet (zum Beispiel bei Strickjacken, ohne Muster o.ä.), könnt ihr sie nun einfach liegend in Form ziehen (auf einem weiteren, ganz trockenen Handtuch oder auch einfach auf dem Teppichboden) und ein bis zwei Tage trocknen lassen.

Möchtet ihr aber Spannung erzeugen (weil zum Beispiel ein Tuch ordentlich an Größe gewinnen oder sich ein Muster vernünftig entfalten soll), benötigt ihr praktischerweise ein wenig Zubehör:

Strickstücke spannen – Spannmatten, Nadeln & Co.

Auf Bild (1) seht Ihr die Spannmatten von Cocoknits, Kammnadeln, zwei verschiedene Sorten Spanndrähte (einmal von Knools und einmal von Knit Pro) und T-Nadeln. (2) Spannmatten dienen ganz einfach als Unterlage. Sie lassen sich i.d.R. zusammenpuzzeln und bieten die Möglichkeit, die Strickstücke festzupinnen.

Es gibt Spannmatten in allen Preisklassen. Die einfachsten sind Buchstaben-Puzzlematten für Kinder, die ihr im Spielwarenhandel findet oder sogar schon zu Hause habt. Es gibt im Internet Berichte über das Abfärben dieser Puzzlematten, ich selbst hatte sie aber schon jahrelang zum Spannen in Gebrauch und das Einzige, was mich wirklich sehr genervt hat, ist, dass ich permanent diese verflixten Buchstaben und Zahlen wieder einpuzzeln musste.

Wenn Ihr also diese Matten nicht zu Hause und sowieso auch keine Kinder habt, die Freude an Buchstabenbepuzzeln haben, würde ich euch direkt die Anschaffung richtiger Spannmatten empfehlen. Wir haben im Shop sowohl die Spannmatten von Cocoknits als auch die von Knit Pro. Das Set von Cocoknits ist insgesamt kostspieliger, enthält aber auch deutlich mehr und ist viel hübscher, wenn ich das mal so ganz unvoreingenommen schreiben darf. Es ist aber eine Investition, die sich lohnt, wenn ihr auch künftig weitere Strickprojekte spannen möchtet.

Kammnadeln und T-Nadeln zum Fixieren der Strickstücke

Auf den Bildern (3) und (4) steckt Sandra das Tuch auf den Matten mit den sogenannten “Kammnadeln” fest. Wir haben die schöne türkisfarbene, die bunte und die einfarbig weiße Variante der Kammnadeln im Shop. Reine Geschmacksache – ich hab alle drei, denn eine Packung reichte mir irgendwann einfach nicht mehr aus. Die Kammnadeln haben gegenüber den einfachen T-Nadeln den Vorteil, dass sich eben gleich ein ganzes Stück feststecken und sich Spannung so gleichmäßiger erzeugen lässt, wodurch weniger/keine Beulen entstehen.

Die Verwendung von Spanndrähten

Die Bilder (5) bis (7) demonstrieren den Gebrauch der Spanndrähte. Sie werden sorgfältig in den Rand des Strickstückes “eingefädelt”, um so dann ganz gleichmäßig Zug auf eine ganze Seite auszuüben. Die Drähte werden dann auf den Matten mithilfe der T-Nadeln festgesteckt.

Spanndrähte gibt es auch in vielen Varianten, die Drähte von KnitPro haben wir schon jahrelang in Gebrauch, sie sind super, weshalb wir sie auch “Spann”-Anfängern empfehlen. Die Drähte von Knools sind noch flexibler und somit gerade für das Spannen verschiedenster Formen hilfreich. Zusätzlich zum Basis-Set gibt es von Knools auch noch ein extra Set Spanndrähte, falls ihr mehr benötigt.

(8) Nun lasst ihr das Strickstück unter Spannung ein bis zwei Tage (oder je nach Material kann es sogar noch länger dauern) richtig gut durchtrocknen.

Nicht nur Maschenproben werden gewaschen und gespannt, sondern auch das fertige Strickstück!
Foto: ©️ Ines Grabner / Maschenfein

Uns erreicht außerdem oft die Frage, ob man Strickstücke nach jedem Waschgang neu spannen muss. Unser “Glück” ist, dass Wollsachen in der Regel wenig gewaschen werden müssen, da Wolle eine selbstreinigende Funktion hat und ein Auslüften meist ausreichend ist.

Nichtsdestotrotz kommt man manchmal ohne einen erneuten Waschgang nicht aus. Je nach Strickstück wird es notwendig sein, diese nochmals zu spannen. Zum Beispiel Tücher mit Muster, die sich durch das Waschen zu sehr zusammengezogen haben. Glatt rechts gestrickte Pullover könnt ihr in der Regel hingegen einfach liegend trocknen lassen.

Zubehör zum Waschen und Spannen

Einen Überblick über alles Zubehör, welches ihr euch zum Waschen und Spannen anschaffen könnt, findet ihr im Maschenfein-Shop unter Zubehör – Pflege.

Im Shop findet ihr verschiedene Waschmittel mit verschiedenen Duftrichtungen. Probiert euch durch, um euren Favoriten zu finden! Eines haben sie aber alle gemein: Ob Eucalan, Kaell oder auch das Waschmittel von Pascuali – alle Varianten reinigen das Strickstück auf besonders schonende und umweltfreundliche Weise. Sie sind biologisch abbaubar und ganz frei von Phosphaten.

Für größere Strickstücke benötigt ihr über kurz oder lang auch eine passende Unterlage – darüber habe ich oben schon ausführlich geschrieben. Neben herkömmlichen Spielematten gibt es richtige Spannmatten von KnitPro oder von Cocoknits. Und auch zum Spannen von Socken findet ihr im Shop passende Sockenspanner in allen Größen.

Um die Strickstücke richtig unter Spannung zu setzen, gibt es rostfreie Spanndrähte. Gerade für Tücher sind sie unheimlich praktisch und lohnen sich in der Anschaffung. Wie empfehlen Anfängern die Drähte von Knit Pro, da sie in der Handhabung etwas einfacher sind. Für Lacetücher oder Strickstücke anderer Formen sind die Drähte von Knools noch besser geeignet, da sie noch flexibler sind.

Must-Have außerdem: T-Nadeln! Diese benötigt ihr unbedingt, um das Stück, das sich dann auf den Drähten befindet, auch auf den Matten zu befestigen. Im Spannadel-Set von KnitPro sind einige T-Nadeln enthalten, kauft euch aber trotzdem gleich noch ein kleines Päckchen dazu.  T-Nadeln sind nicht zu ersetzen mit Stecknadeln, da diese schnell rosten können. Wenn euer Strickstück auf den Matten trocknet, also noch feucht ist, möchtet ihr Rost unbedingt vermeiden!

Schönes Zubehör erfreut das Auge!

Neben den einfachen T-Nadeln gibt es von Knit Pro auch noch Kammnadeln: Die braucht man nicht für jedes Strickstück, aber wenn man sie einmal hat, möchte man sie nicht mehr missen. Mithilfe der Kammnadeln lassen sich gerade Kanten gleichmäßiger unter Spannung setzen. Wir haben verschiedene Farbvarianten im Shop – aber Achtung, die Entscheidung ist nicht leicht! 😉

Nun wisst ihr alles, was ihr für den erfolgreichen Abschluss eines Strickprojekts braucht. Wir geben uns so viel Mühe beim Stricken – da soll das fertige Projekt doch am Ende auch seine volle Schönheit entfalten. So macht das Tragen noch mehr Spaß, das verspreche ich euch!

Kammnadeln, Spannmatten und noch mehr: Nun wisst ihr alles Wichtige zum Thema Waschen und Spannen!
Foto: ©️ Ines Grabner / Maschenfein
Marisa

Über Marisa

Ich bin Marisa, die Gründerin hinter Maschenfein. Die ersten Maschen schlug ich mit meiner Oma Lotti im Alter von etwa fünf Jahren an. 2014 gründete ich "Maschenfein". Was als Blog begann ist heute zu genau dem Online Shop für Wolle & Strickzubehör geworden, den ich mir immer gewünscht habe. Gemeinsam mit meinem Team möchte ich die Strickwelt mit Inspirationen, Anleitungen, schönen Garnen und dem besten Zubehör bereichern.

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7 Kommentare

Ich stricke seit vielen Jahren Kleinigkeiten, Kleidung und Mützen. Dies ist jedoch das erste Mal, dass ich von dieser Vereinbarung höre. Aber ich denke, es hat seine richtige Anwendung. Das werde ich demnächst auch tun.

Martina

Bisher habe ich nur einen Schal gespannt, der dadurch eindeutig gewonnen hat. Nun ist der erste Pulli fertig, bzw. bisher nur die Einzelteile. Es stellt sich mir die Frage, ob ich die zusammengenähten Ärmel erst spannen sollte bevor ich sie am zusammengenähten Vorder- und Rückenteil ( dann natürlich auch gespannt) einnähe ? Sie würden an Breite gewinnen.

Sophia

Liebe Martina, wir würden dir empfehlen, die Teile erst zusammenzunähen und dann den gesamten Pulli zu waschen und in Form zu spannen. Bitte schau aber noch einmal in die Anleitung, wie der Pullover gespannt werden soll. Oft streicht man die fertigen Stücke nach dem Waschen (hier bitte Handwäsche wählen) nur in Form und fixiert das fertige Stück dann z.B. mit Kammnadeln. Wenn die Teile nun aber beim Nähen nicht richtig zusammenpassen, wäre es auch eine Möglichkeit, sie einzeln zu waschen und zu spannen und dann zusammenzunähen. Allerdings musst du dann wirklich genau spannen, damit hinterher auch wirklich alles richtig zusammenpasst. Es kommt auch immer ein bisschen auf der gewählte Muster und das dazugehörige Garn an. Kurz: Falls möglich, würde ich sagen, dass du erst nähst und dann wäschst und spannst. 🙂 Viele Grüße und viel Erfolg! Sophia

Das Spannen von Strickstücken ist vergleichbar mit dem Bügeln von Genähtem. Nicht sehr beliebt, aber du erhältst ein besseres (perfektes) Ergebnis.☺️ LG Delia

Daniela

Liebes Maschenfein-Team,

ich habe das Spannen 1x gemacht….und es hat mir gereicht. Danach bin ich zur Chem. Reinigung meines Vertrauens gegangen – keine Kette, inhabergeführt- und habe meine Stola dort abgegeben. Kein Problem, kam “sonderbehandelt” in einwandfreien Zustand zurück (Kostenpunkt: 20 €) aber man macht das -wie oben beschrieben, ja nicht ständig.
Dann hat man mir in der Reinigung noch den Tipp gegeben, man kann auch ein Babyshampoo nehmen, denn was ist Wolle anderes als Haar….Was ich an mein Gesicht und die Haare lasse, kann ich auch der Wolle antun. Einleuchtend.
Da das Spannen eher eine Wissenschaft für sich ist und ich kein Permanent Stricker bin, wie wahrscheinlich viele Andere auch, ist das der Königsweg, wenn Spannen ein Graus ist 😉

LG aus Wuppertal,
Daniela Hofmann

Daniela

” Und muss man das etwa nach jeder Wäsche tun?”
Schade wenn die Frage aus der Überschrift im ganzen Artikel nicht beantwortet oder auch nur angesprochen wird…

Sophia

Liebe Daniela, danke für deinen Kommentar. Stimmt – der Punkt ist tatsächlich untergegangen. Ich werde ihn ergänzen. 🙂 Grundsätzlich muss man Strickstück nicht so oft waschen wie normale Wäsche. Oft reicht ein Auslüften des Strickstücks, da Wolle eine selbstreinigende Funktion hat. Natürlich kommt man trotzdem ab und zu nicht um eine weitere Wäsche herum. Je nach Strickstück und Muster musst du dann wieder spannen, wenn sich dein Kleidungsstück wieder zu sehr zusammengezogen hat. Ich persönlich spanne Tücher noch einmal (zum Beispiel unser Elara-Tuch, das unter Spannung trocknen soll), klassische Basicpullis in glatt rechts hingegen nicht. Es ist, wie so oft, eine Einzelfall-Entscheidung. Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß beim Stricken! Sophia

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