Nordische Garne und Pullover

Wir stricken ja bekanntlich sehr gerne Modelle skandinavischer Designer*innen. Besonders Dänemark hat es uns da angetan. Nun wollen wir mit dieser Themenwelt unseren Blick mal weiter gen Norden wenden und euch besonders die Welt der nordischen Garne und Pullover aus Norwegen und Island näherbringen. Im rauen Klima an den stürmischen Küsten der Nordsee braucht man einfach dicke Pullover, um dem Wetter zu trotzen. Und gerade im dunklen Winter darf Farbe dabei nicht fehlen.

Norwegische traditionen

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Marius Genser – der norwegische Nationalpulli.
Foto: © Sandnes Garn

Der typische Isländerpullover oder auch Lopapeysa wird oft mit einem Norwegerpullover verwechselt. Die beiden Wärmespender ähneln sich zwar auf den ersten Blick, unterscheiden sich aber in den Mustern, der verwendeten Wolle und der Konstruktion des Strickstücks erheblich. Zum Beispiel wird der Norwegerpullover aus mehreren gestrickten Teilen zusammengesetzt, während der Lopapeysa an einem Stück gestrickt wird. DER klassische Norwegerpullover wurde 1953 von der Firma Sandnes Garn herausgegeben. Die Designerin Unn Søiland stellte hierfür traditionelle Muster zusammen und verwendete hierfür die norwegischen Nationalfarben Dunkelblau, Weiß und Rot. Den Namen bekam der Pullover von Marius Eriksen, der für das Bild der Anleitung Modell stand. Das Design wurde so beliebt, dass es quasi zum Nationalpullover wurde. Norwegischer Nationalstolz in Strick eben.

Mehrfarbig wird es besonders schön

Normalerweise werden für Norwegerpullover nicht mehr als zwei Farben verwendet. Aber natürlich gibt es Ausnahmen. Heute gilt auch bei norwegischen Designern “Erlaubt ist, was gefällt”. Wobei das Stricken mit mehr als zwei Farben gleichzeitig eine wirkliche Herausforderung für die Finger darstellt, nicht wahr?

Diese Muster werden meist in der Runde gestrickt, da das zweifädige Stricken mit rechten Maschen deutlich besser zu bewerkstelligen. Wir ersparen uns gerne die Rückreihen, nicht wahr? Dafür müssen die Ärmellöcher im Anschluss dann aber aufgeschnitten werden, um die Ärmel einsetzen zu können. Oder die Strickjacke vorne, um wirklich eine Jacke daraus machen zu können. Diese Technik heißt “Steeken” – und keine Angst! Das klingt schlimmer als es ist. Für die Norwegerpullover mit solchen Konstruktionen werden die typischen Garne der Region verwendet, die nicht zu glatt sind. Bei diesen Qualitäten können sich die einzelnen Fasern gut ineinander verhaken und sogar ein kleines bisschen Verfilzen ist gewünscht. Außerdem werden die geschnittenen Kanten zusätzlich durch eine Naht gesichert. Durch diese beiden Maßnahmen besteht keine Ribbelgefahr!

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Hege Damenpullover
Foto: © Sandnes Garn

Typische Norwegergarne bei Maschenfein

Vielseitig einsetzbar: Fritidsgarn von Sandnes.
Foto: © Ines Grabner /Maschenfein

DIE norwegische Marke im Bereich Stricken ist sicherlich Sandnes Garn, die wir bereits seit 2017 im maschenfeinen Sortiment haben. Wir führen sämtliche Qualitäten und Magazine des norwegischen Traditionsunternehmens. Es ist allen ein Begriff, die ihre Urlaube gern im skandinavischen Raum verbringen, kann man die Garne und Magazine von Sandnes dort sogar in manchem Supermarkt finden. Uns gefällt besonders gut, dass die Qualitäten aus norwegischer Schurwolle komplett in Norwegen hergestellt werden – von der Wolle der norwegischen Schafe über das Färben und die Verarbeitung zum Knäuel.

Peer Gynt gibt es bereits seit 1938 und ist somit die älteste Sandnes-Qualität. Das Garn ist robust, hält unheimlich gut warm und schreit förmlich nach bunten Norweger-Mustern. Hört ihr es auch rufen? Eher nicht? Allen Skeptikern der robusten Garne sei versprochen, dass die Wolle während des Tragens immer weicher wird. Seit Kurzem gibt es mit Tynn Peer Gynt eine dünne Version, die sich hervorragend für feiner gemusterte Strickstücke eignet. Die Mohairfreunde unter uns kombinieren es mit Tynn Silk Mohair.

Und dann gibt es da noch Frititdsgarn, das viele von uns vom Filzen kennen. Das Garn eignet sich aber auch für warme Pullover, die man sogar ganz prima als Jackenersatz tragen kann. Es ist etwas robuster als Peer Gynt, dafür hat man einen zuverlässigen Wärmespender, der je nach Maschenprobe bei Nadelstärke 5,5 bis 6,5 schnell gestrickt ist.

Leicht und wärmend

In Island sind gestrickte Pullis – Lopapeysa genannt – seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesen. Sie waren lange einfarbig in den natürlichen Tönen der Wolle der isländischen Schafe gehalten. Diese Wolle war dem Inselwetter angepasst und die Garne (Lopi) waren fest versponnen, was sie ziemlich schwer machte. Um 1900 kamen neue Lopi auf den Markt, für die zwei Fellarten der isländischen Schafe gemeinsam verarbeitet, aber nicht gesponnen wurden. Die Kombination aus der feineren Unterwolle und dem gröberen Deckhaar ergibt Garne, die deutlich leichter, aber dennoch wärmend und atmungsaktiv sind. Das fand großen Anklang und so begannen die isländischen Strickerinnnen mit diesen Garnen zu experimentieren. Der erste Nachweis über das Stricken mit dieser neuen Wolle findet sich in einem Handarbeitsmagazin von 1923.

DER Klassiker der Islandpullover: Riddari.
Foto: © Ístex
Für empfindliche Kinderhaut darf es auch ein anderes Garn sein. Zum Beispiel Smart von Sandnes beim Rogaland Genser.
Foto: © Sandnes Garn

Der Lopapeysa wird traditionell in Teilen von unten nach oben gestrickt. Ärmel und Rumpf werden einzeln gearbeitet, an den Achseln zusammengeführt und in einem Stück beendet. An dieser Stelle kommt das mehrfarbige Muster der Passe ins Spiel. Hier sind euren Vorlieben keine Grenzen gesetzt. Traditionelle Muster wie die isländische Rose und grafische Muster findet ihr heute genauso wie modernere Bildelementen. Wie wäre es mit einem Muster aus Hufeisen oder Bärentatzenabdrücken?

Ístex – isländische Garne bei Maschenfein

Ganz neu im Sortiment haben wir vier Garne des Herstellers Ístex. Das Traditionsunternehmen bietet rundum isländische Garne an: Die Wolle wird direkt von isländischen Schäfern eingekauft und auf der Insel weiterverarbeitet. Dabei legt es großen Wert auf ökologische Standards und Tierwohl. Ein besonders interessanten Fakt wollen wir euch nicht vorenthalten: Die Schafe werden anders als es sonst gehandhabt wird, nicht im Frühjahr geschoren. Stattdessen erfolgt die Schur im Herbst, bevor die Schafe über den Winter im kuscheligen Stall wohnen. Dadurch ist ihr Fell im Frühling wieder lang und warm genug, um in der wärmeren Jahreszeit dem trotz allem unbeständigen isländischem Wetter zu trotzen.

Die wilde Natur Islands ist die Heimat der Schafe, die die Wolle für Ístex liefern.
Foto: © Ístex

Am bekanntesten sind wohl Álafosslopi und die dünnere Léttlopi. Die beiden Garen werden für die meisten Isländerpullover verwendet – der beliebte Riddari wird beispielsweise aus Léttlopi gestrickt. Wenn ihr lieber Modelle mit einer kleinere Maschenprobe strickt, ist bestimmt Einband etwas für euch. Bei einer Lauflänge von 250 Metern auf 50 Gramm könnt ihr es zum Beispiel für zarte Tücher verwenden. Es eignet sich aber auch hervorragend als verstärkendes Beilaufgarn zu unserem – wie wir finden – spannendsten Neuzugang: Plötulopi. Diese Qualität ist ungesponnen und wirkt erstmal sehr zart, fast schon instabil. Deswegen ist es entgegen unserer Gewohnheiten in Plastik eingeschweißt, um es sicher zu transportieren. Wenn es verstrickt ist, wird es aber schön fest. Erfahrene Stricker*innen werden ihre Freude daran haben, es für ein Projekt zu testen!

Nordische Modelle neu interpretiert

Natürlich gibt es heute ein Vielzahl an Modellen, die alle die typischen nordischen Pullover zum Vorbild haben. Dabei gibt es eher traditionelle, aber auch ganz moderne Interpretationen – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Uns hat in letzter Zeit besonders das Buch Villahullu von Heli Nikula gefallen. Die Designs der Finnin sind allesamt mit nordisch inspirierten Mustern versehen und werden bis auf wenige Ausnahmen aus Álafosslopi und Léttlopi gearbeitet. Es macht einfach Spaß, durch die Seiten zu blättern: wunderschöne Bilder und spannende Texte, wie die einzelnen Modelle und ihre Namen entstanden sind. Die deutsche Ausgabe ist im TOPP Verlag erschienen. Aktuell warten wir zwar noch auf die Nachlieferung, aber die ist schon unterwegs und wir ordern regelmäßig für euch nach – versprochen!

Tiefer eintauchen

Neben dem eben erwähnten Buch Villahullu findet ihr im Maschenfein-Shop noch viele weitere Bücher, die sich mit dem Thema des nordischen Strickens beschäftigen. Ihr findet darin skandinavische Strickmuster und Anleitungen zu den verschiedensten Kleidungsstücken. Eins haben sie allesamt gemein: Es sind wirklich hüsche Strickbücher, die man immer wieder durchblättern will.

Noch mehr Lesestoff gefällig?

Der maschenfeine Blog ist wirklich eine herrliche Fundgrube an tollen Texten! Wenn ihr noch mehr zum Thema mehrfarbiges Stricken lesen möchtet, legen wir euch unsere kleine Blogreihe “Mehrfarbiges Stricken” ans Herz, die Sophia 2020 verfasst hat. Ihr beginnt am besten mit dem Blogartikel Mehrfarbig stricken: Fair Isle und Norwegerpullis und arbeitet euch weiter zum Beitrag Mehrfarbig stricken: Technik vor. Und wenn ihr so richtig im Thema drin seid, könnt ihr noch nachlesen, wie Marisa 2015 zum ersten Mal gesteekt hat: Loppa-Cardigan von Pinneguri | Steek stricken.

Skemmtið ykkur vel und Ha det gøy!

Wir wünschen euch ganz viel Spaß beim Eintauchen in die Welt des nordischen Strickens. Ist das für euch Neuland oder habt ihr schon viele Isländer- und Norwegerpullover gestrickt? Erzählt doch mal in den Kommentaren!

Louisa

Über Louisa

Ich bin Louisa, lebe bei München und kümmere mich seit Februar 2022 um die englischsprachige Seite, unseren Newsletter und mit Sophia um alles Mögliche, was den Blog betrifft. Viel länger bin ich schon Teststrickerin für Maschenfein und stricke jedes Jahr je ein Modell für das Muttertagstuch und das Weihnachtstuch.

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9 Kommentare

Tatsiana

Das Buch ” Island Socken” besitze ich bereits und habe schon Reitstrümpfe daraus gestrickt. Es ist ein tolles Buch! Mit viel neuen Infos ( für mich).
Dieses mehrfarbiges Stricken ist echter Hingucker und ich werde mich dieses Jahr noch an einen Norwegerpulli wagen. Aber dafür plane ich eine ruhige Zeitspanne, Sommerferien z.B.

Silvia

Schaut euch zur Einstimmung auf isländisches stricken mal die Doku an:
Island Strickende Männer
Sehr schön, wenn auch Istex kritisch betrachtet wird

Louisa

Liebe Silvia,
diese Arte-Doku kenne ich auch und habe sie sehr gerne angesehen. Ich hab die Kritik, die dort anklang eher an die Firmen gerichtet empfunden, die vor Ort “original” Isländerpullover verkaufen, die aber in China maschinell gestrickt werden, wodurch die Wolle viel zu oft über den Globus reist. In Bezug auf Ístex wurde doch eigentlich nur erwähnt, dass dort chemisch gefärbt wird, oder? Im Vergleich zu der Handfärberin, die davor vorgestellt wurde, die mit isländischen Kräutern traditionell färbte.
Liebe Grüße
Louisa

Barbara

Hallo ihr lieben,ich lese immer sooo gerne euren Newsletter.leider habe ich noch nie was bestellt bei euch,aber das ändert sich bestimmt noch…zu eurem aktuellen Thema wollte ich fragen,ob ihr auch links neumann kennt..norwegische Designerin.. mega tolle Bücher
Liebe Grüße
Barbara Scharfenberger

Sophia

Liebe Barbara, ja, die kennen wir. Das sind in der Tat tolle Bücher! Ich setze sie uns mal auf die Liste. 🙂 Liebe Grüße, Sophia

Bettina

Liebes Maschenfeinteam,
gibt es die Anleitung bzw. Strickpaket für den Pullover “Into the wild” auch für Kinder?

LG Bettina

Sophia

Liebe Bettina, nein, leider nicht. Dieses Design gibt es (bisher) nur für Erwachsene. Liebe Grüße, Sophia

Britta

Ich freue mich riesig, dass es die Istex Garne jetzt auch bei euch gibt. Lettlopi ist mein absoluter Favorit. Es strickt sich wunderbar und ist trotz seiner Robustheit schön flauschig. Da entstehen absolute Lieblingsteile!

Sonja

Meine „Erfahrung“ endet beginnt und endet mit den Fritzi Handschuhen 😅
Ich mag die Muster total gern, aber mich schreckt immer das „falschrum“ stricken von unten nach oben ab 🙈

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