Maschenfein {meets} Meike von Crafteln

Heute begrüße ich Meike von Crafteln und freue mich sehr, dass sie mir ein paar Fragen über das Nähen und Stricken beantwortet hat. Meike ist Euch bestimmt schon das ein oder andere Mal über den Weg gelaufen. Sei es durch Ihren Blog, oder den Me Made Mittwoch, oder vielleicht habt Ihr sie auch gemeinsam mit Guido Maria Kretschmer und  ihren Co-Kandidaten in der Sendung „Geschickt eingefädelt“ nähen, leiden und sich freuen gesehen. Ich war neugierig und wollte mehr erfahren über die Frau, deren Kleiderschrank reich bestückt mit selbstgenähter und -gestrickter Kleidung ist!

Interview-Crafteln-Meike-Rensch-BergnerBildquelle: Anne Koch

Hallo Meike, wie schön, dass Du mich heute besuchst. Wir kennen uns ja schon ein ganzes Weilchen aus Zeiten in denen wir weder über das Nähen noch über das Stricken gebloggt haben. Erzähl doch mal wie es Dich gepackt hat. Wie kam es dazu, dass Du mittlerweile einen bekannten Näh-Blog schreibst und sogar bei „Geschickt eingefädelt“ vor der Kamera standest?

Ich freue mich über die Einladung, liebe Marisa. Ja, wir kennen uns schon ewig. Umso schöner, dass wir uns über das Thema DIY und Bloggen wieder näher gekommen sind.

Dinge selbst zu machen, gehört schon immer zu meinem Leben dazu. Schon als Jugendliche habe ich gestrickt, gehäkelt und auch genäht. Obwohl ich das immer gemacht habe, hat es erst nachdem ich ein Kind bekommen habe, einen besonderen Stellenwert in meinem Leben bekommen. Wie viele Mütter begann ich (wieder) mit dem Nähen und war auf einmal vom Näh-Virus infiziert. Ich entdeckte, dass das Nähen meiner Kleidung viel mehr verändert, als nur meine äußere Erscheinung. Diese Entwicklung wollte ich auf dem Blog festhalten und zwar nicht nur in schicken Bildern, sondern auch in Texten, die zum Nachdenken anregen.

Nachdem ich schon einige Bücher über andere Themen veröffentlicht hatte, war es mein Traum, auch über das Kleidernähen ein Buch zu schreiben. Die Teilnahme an der Fernsehsendung half mir, meinen Traum zu verwirklichen – im November 2015 erschien „Nählust statt Shoppingfrust“. Geschrieben habe ich es für „Frauen mit Figurproblemen“ – wer ist das nicht?! Statt am eigenen Körper herumuzukritteln, empfinde ich es weitaus befriedigender, sich schöne Kleidung zu nähen. Nicht unser Körper ist minderwertig, sondern vieles, was wir in den Läden finden. Deswegen ist es ein großer Schub für das Selbstbewusstsein, selbstgemachte Kleidung zu tragen und sich darin schön zu finden. So schwer ist das gar nicht. Das können alle lernen, egal, ob sie noch nie genäht haben oder sich an Erwachsenenkleidung noch nicht herangetraut haben, obwohl sie bereits tolle Sofakissen und Kinderkleidung nähen. Mit meinem Buch nehme ich die Bekleidungs-Näh-Novizinnen an die Hand und begleite sie bei ihren ersten Schritten.

Nählust-statt-shoppingfrust-buch

Dein Blog hat ja einen Namen, der im Grunde das ganze Spektrum „Selbermachen“ abdecken könnte. Wie kam es zu Deinem Blognamen, wofür steht er?

Crafteln ist ein Kunstwort, das sich von dem englischem Begriff „crafting“ ableitet. Da ich kein schickes deutsches Wort für Handarbeiten oder Selbermachen fand, nutze ich einfach dieses erfundene neue Wort. Ich finde das charmant, DIY eben.

Ich blogge hauptsächlich über das Nähen und Stricken, aber ich liebe es auch Brot zu backen oder andere Dinge selber zu machen. Der Unterschied ist vielleicht, dass ich mich bei der Herstellung meiner Kleidung stärker mit meinem Körper auseinander setze. Das Herstellen von Bekleidung ist „näher an mir dran“, deswegen lädt es mich mehr zum Reflektieren und Bloggen ein.

In letzter Zeit strickst Du auch wieder häufiger, oder tust Du das eigentlich ohnehin immer parallel? Kannst Du ein wenig mehr darüber erzählen was für Dich die Unterschiede beim Stricken und Nähen sind und warum Du eigentlich eher dem Nähen verfallen bist?

Stricken und Nähen gehört für mich zusammen. Wer Kleider und Röcke trägt, braucht auch Strickjäckchen. Beides fällt für mich unter mein Lieblingsthema „Bekleidung selbst herstellen“ und unterscheidet sich nur durch die Verwendung unterschiedlicher Herstellungstechniken.

Handarbeiten mit Wolle mache ich, wenn ich gerade viele Situationen in meinem Leben habe, bei denen ich rumsitzen muss und geistig nicht voll ausgelastet bin. Ich handarbeite, wenn es zum Lesen zu laut ist. Es ist mir ein Graus, reglos dazusitzen und einen Film anzuschauen oder bei einem Fußballspiel zu sitzen. Wenn sich dabei meine Hände bewegen und etwas entsteht, an dem ich Freude habe, ist die Zeit viel sinnvoller genutzt.

Strickjacke-Crafteln

Ich stricke oder häkele neben Strickjäckchen hauptsächlich Accessoires. Diese zu besitzen ist ein schöner Luxus, aber keine Notwendigkeit. Während ich über die Wintermonate mehrere Kleider brauche, denn hin und wieder muss auch das schönste Kleid in die Wäsche, würde eigentlich ein Schal reichen. Da ich eine Kleidergröße trage, für die es in den Läden nicht so viel Schönes zu kaufen gibt, bestand für mich lange Zeit eine sehr dringliche Notwendigkeit, mir Kleidung nach meinen Vorstellungen zu nähen.

Crafteln-Tuch-Stephen-West
Lieblingstuch „Smooth“ von Stephen West

Für mich gibt es zwei Arten des Handarbeitens: Die erste Variante ist das Stricken von Schals oder das Häkeln einer Sofadecke. Diese Dinge fertige ich blind beziehungsweise mit geringer Konzentration. Ich mag schwierige Muster, aber sie müssen eine gewisse Logik haben, so dass sie mich nach einer Weile gedanklich nicht überfordern. Dieses Nebenher-Handarbeiten empfinde ich als wohltuende Zeit-Zweit-Nutzung bei langweiligen Tätigkeiten.

Lieblings-Strickjacke-Crafeln
Lieblingslingsstrickjacke nach einer „gehackten“ Anleitung

Dann gibt es noch die andere Art des Stricken, die dem Nähen sehr ähnlich ist: passformgenaues Stricken. Wenn ich eine Strickjacke stricke, dann wird diese auf Figur gestrickt, mit Abnähern, um eine gute Passform im Brustbereich zu haben, gut passenden Ärmeln, Taillierung und und und. Ich habe darüber mal eine ausführliche Serie zum Frühlingsjäckchen Knit Along 2014 auf dem Me Made Mittwoch Blog geschrieben. Wenn ich so eine Jacke stricke, dann brauche ich eine ordentliche Menge an Gehirnschmalz, um das Kleidungsstück so umzusetzen, wie ich es mir vorstelle. Ich erstelle mir während des Strickens meine eigene Anleitung. So ein gestricktes Kleidungsstück stricke ich nicht so nebenbei. Es braucht zwischendurch immer wieder konzentrierte Zeitfenster, in denen ich weiter denke.

Aktuell schreibst Du eine Serie über das Thema Schnittmuster anpassen. Das klingt für mich wahnsinnig aufwendig. Also beides, das Anpassen aber auch die Serie darüber. Wie kam es zu dieser Idee und welche Themen deckst Du da konkret ab?

Da ich gerne Kleidungsstücke trage, für die es in meiner Kleidergröße keine oder nur wenige Schnittmuster gibt, beschäftige ich mich schon länger damit zu lernen, wie frau Schnitte vergrößert und anpasst. Nach der Fernsehsendung und dem Erfolg meines Buches „Nählust statt Shoppingfrust“ war klar, dass es viele Frauen gibt, die auch gerne ihren „Kopfkleiderschrank“, also die Kleidung von der sie träumen, verwirklichen wollen und dass ihnen das Know-How dafür fehlt.

Kandidatin Meike Rensch-Bergner

Bildquelle: VOX/Andreas Friese

Auf dem deutschen Markt gibt es meines Wissens kein Buch, in dem das alles drin steht, was ich mir aus verschiedenen Büchern zusammen gelesen habe. Außerdem sind diese Bücher für viele Menschen abschreckend: alles klingt so kompliziert und wissenschaftlich. Mein Ansatz ist es, den Menschen Mut zu machen, es einfach mal zu versuchen. Natürlich ist es alles nicht einfach, aber wir lernen es nur, wenn wir es probieren. Einfach anfangen, ist mein Credo. Wer einmal damit begonnen hat, Schnittmuster zu „hacken“ und sie auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen, der muß nicht mehr an sich und dem eigenen Körper zweifeln, nur weil dieser nicht der vielgepriesenen Normfigur entspricht. Statt sich selbst minderwertig zu fühlen, dürfen wir uns durchaus darüber aufregen, warum es zum Teufel kein passendes Schnittmuster gibt. Das tolle an DIY ist doch: wenn es etwas nicht gibt, dann machen wir es uns selbst!

Genauso wie mit meinem Buch versuche ich mit der Blog-Serie den Menschen Mut zu machen, ihr Leben in die Hand zu nehmen und Dinge passend zu machen, statt zu jammern, dass es für sie nichts Passendes gibt. Die Serie ist also eine logische Fortsetzung von „Nählust statt Shoppingfrust“ – dass meine Posts den Menschen gefallen und helfen, motiviert mich, weiter zu machen.

Ist denn schon ein neues Buch in Arbeit?

In den letzten Monaten habe ich neben der Blogserie zu den Schnittmuster Anpassungen verschiedene Workshops entwickelt, um mein Wissen weiter zu geben. Da blieb erstmal keine Zeit, ein weiteres Buch zu schreiben. Ein Buch ist ein größeres Projekt, das von der Idee bis zum Verkauf viele Monate braucht. Im Moment habe ich so viele Ideen, die schneller raus wollen und für die mir auch schnelles Feedback meiner Blogleserinnen wichtig ist. Es wäre natürlich ganz wunderbar, wenn aus diesen vielen einzelnen Projekten ein neues Buch entstehen würde.

Du hast Dir neulich intensiv Gedanken darüber gemacht, wieviel ein Stoff kosten darf oder sollte. Wie geht es Dir denn da beim Thema Wolle? Welches sind Deine liebsten Materialien, was geht gar nicht und worauf achtest Du sonst beim Kauf von Wolle?

Ich stricke mit günstiger Wolle. Ehrlich gesagt betrete ich öfters ganz ehrfürchtig schöne Wolläden, zucke zusammen, wenn ich angesprochen werde und schleiche mich ganz schnell wieder raus. Ich empfinde es als sinnliches Vergnügen, mir vorzustellen, wie schön es wäre, ganz zartes, hochwertiges, flauschiges Garn zu verstricken und bestelle dann doch wieder Baby Merino im Sale bei dem Laden mit den grünen Kartons, weil Preis-Leistungs-Verhältnis für mich stimmt. Manchmal wünsche ich mir, mir mehr Luxus zu gönnen, denn immerhin ist frau mit einem Strickstück doch eine ganze Zeit intensiv beschäftigt, aber dann bin ich doch fast immer zu geizig für teures Material.

Crafteln-Stricken
Aktuelle Strick-Projekte, gezeigt auf Instagram

Worauf ich beim Kauf achte? Ich stricke am liebsten mit dünner Nadelstärke (2,5er Nadeln), weil mir Strickjacken sonst zu warm werden. Das heißt, ich schaue in der Sockenstrickgarnecke und versuche dort Material zu finden, dass noch ein bisschen schicker ist, als ganz schnödes Sockengarn. Und wenn Seide drauf steht, werde ich ohnehin willenlos…

Gibt es ein absolutes Lieblingsteil unter Deinen selbstgenähten und -gestrickten Outfits?

Bei den genähten Sachen ist mein Lieblingsteil schon lange mein erstes Jackett, das zusammen mit einem Tellerock, ein wunderschönes Kostüm ergibt. Als ich dieses nähte, hatte ich das Gefühl, ab sofort quasi alle Lebenslagen mit meinen Nähfähigkeiten abdecken zu können und auch zu offiziellen Anlässen in der Lage zu sein, mich selbstbestimmt einzukleiden. Bei den Stricksachen sind das erste passformgenaue Strickjäckchen nach „gehackter Anleitung“ und das zuletzt fertig gestellte Tuch aus „Babykamelflausch“ meine Lieblingsstücke.

Lieblings-Outfit-Crafteln

Zu guter letzt: Was bedeutet Dir das Bloggen?

Bloggen ist für mich eine gute Möglichkeit dreiviertelfertige Gedanken in Worte zu fassen und dafür dann postwendend Feedback zu bekommen, so dass der Gedanke weiter reifen kann. Ich liebe es außerdem, wie sich bestimmte Themen ungeplant von Blog zu Blog weiterspinnen und gemeinsam gelernt wird. Verlinkungen und Vernetzungen sind mir sehr wichtig, deswegen engagiere ich mich ehrenamtlich im Team, das den Me Made Mittwoch organisiert (einer wöchentlichen Verlinkungsplattform, auf der sich Menschen in ihrer selbstgemachten Kleidung zeigen).

Ich halte es für sehr wichtig, dass Menschen die Kraft, die dem Bloggen innewohnt verstehen. Statt nur Zeitschriften zu konsumieren und dabei unbewusst, deren Ideale zu übernehmen, haben wir durch Bloggen die Definitionsmacht. Ohne, wie zum Beispiel bei einer Buchveröffentlichung, von einem Türsteher, also dem Verlag, auserwählt zu sein, zeigen wir uns in unserem Blog, einfach das, was uns wichtig ist. Wir schreiben in der Ich-Form und werden persönlich. Wir zeigen uns so, wie wir gesehen werden wollen. Damit schaffen wir kollektiv ein Frauenbild nach unserem Geschmack und entwickeln eine neue Art des Selbstbewusstseins – und das alles, obwohl wir vordergründig „nur“ über unser Hobby berichten. Ich sehe Bloggen deswegen als große Chance und halte darüber auch gerne Vorträge. Wer möchte, kann mich über dieses Thema am 3.5. bei der GLS Bank in Berlin sprechen hören oder meinen Vortrag vom letzten Jahr auf YouTube ansehen. Ich werde einfach nicht müde darin, meine Begeisterung über das Bloggen und das Nähen von Bekleidung mitzuteilen. Deswegen das Motto meines Blogs: „Nähen macht Spass. Kleidung nähen macht glücklich!“

Vielen Dank für Deinen Besuch, Meike!

 

Ihr findet Meike auf Ihrem Blog www.crafteln.de oder auch auf Instagram (@fraucrafteln), Twitter (@FrauCrafteln) und Facebook.

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Über Marisa

Die ersten Maschen schlug ich mit meiner Oma Lotti mit etwa fünf Jahren an. Hier auf meinem Blog teile ich nun viele Jahr später Inspirationen, Anleitungen, Tips und Tricks rund um meine große Leidenschaft fürs Stricken, Wolle & Co.