Woll-Wissen {Handgemachtes richtig pflegen und aufbewahren}

Zu Gast hier im Blog ist heute wieder Jasmin. Sie teilt mit uns in ihrer kleinen Blog-Serie hier auf Maschenfein ihr Woll-Wissen zu ausgewählten Themen. Viel Spaß beim Lesen und wenn Ihr Lust habt, kommentiert, ergänzt oder stellt auch gern Fragen. Viel Spaß beim Lesen und hallo Jasmin!

Selbstgestrickte oder –gehäkelte Kleidungsstücke sind ganz besonders wertvoll. Nicht nur aufgrund der verwendeten Fasern, auch wegen der Zeit, die ihr beim Herstellen in diese Stücke investiert. Daher solltet ihr nicht nur bei der Auswahl eures Materials und der Verarbeitung besonders sorgfältig vorgehen, sondern auch wenn es um die Pflege eurer handgemachten Schätze geht. 

Wie ihr eure liebevoll gearbeiteten Handarbeiten pflegt und vor Motten schützt, verrate ich euch in diesem Artikel.

Waschhinweise – Was verraten sie euch?

Kauft ihr neue Garne, dann lohnt sich immer ein Blick auf die Banderole. Dort erfahrt ihr nicht nur, wie groß die Maschenprobe ausfällt oder für welche Nadelstärken das Garn geeignet ist, auch Wasch- und Pflegehinweise sind abgedruckt. Die wichtigsten habe ich euch mal zusammengestellt- eine detaillierte Liste findet ihr aber auf meinem Blog.

Es lohnt sich diese Hinweise aufzubewahren, damit ihr später noch wisst, wie das Stück gewaschen werden soll. Ich habe mir die Symbole heruntergeladen und mache mir mithilfe von Bügelfolie und einem weißen Stoffband immer Hinweisetiketten selbst. Diese nähe ich dann auf mein fertiges Projekt auf. So habe ich alle Infos immer vor Augen, wenn ich sie brauche.

Reine Wolle ist antibakteriell und nimmt auch Gerüche nicht so stark an, bzw. sie haften nicht so lange im Gewebe. Diese natürlichen Eigenschaften sorgen dafür, dass ihr handgemachte Kleidung nicht ganz so häufig waschen müsst, wie ihr es bei Kleidung mit einem hohen Anteil an anderen Fasern oder Kunstfasern tun müsstet. Habt ihr euch beim Verarbeiten für Garne aus tierischen Fasern entschieden, reicht es oft, die Sachen bei Verschmutzungen zu waschen. Um Gerüche los zu werden genügt es oft die Stücke einige Stunden (manchmal auch Tage) gut auszulüften.

Was bedeutet Superwash?

  • Beim Superwash („Hercosett-Verfahren“) werden die natürlichen Fasern mit einer Kunstharzschicht ummantelt. Dadurch wird die Wolle besser vor dem Verfilzen geschützt. Besonders häufig findet ihr Sockenwolle oder Garne speziell für Babyzubehör mit dieser Filzfrei-Ausstattung. Diese Garne lassen sich später relativ problemlos in der Waschmaschine mitwaschen. Das Verfahren ist allerdings sehr aufwändig und bringt einige Schwierigkeiten mit sich. Zum einen verlieren die Fasern teilweise ihre natürlichen Eigenschaften, zum anderen wäscht sich die Beschichtung über die Zeit aus den Fasern. Die Sachen verfilzen dann dennoch und das Abwasser ist mit Kunstharzpartikeln belastet.

Handwäsche oder nicht?

Hier scheiden sich die Geister. Viele Hersteller geben auf ihren Banderolen an, ob ihr Garn maschinenwaschbar ist oder nicht. Ich habe auch schon erfahren, dass es Garne gibt, die bei Maschinenwäsche nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen werden, wie bei Handwäsche. Trotzdem bevorzuge ich immer die Wäsche von Hand. Aber auch hier gibt es einige Dinge zu beachten.

Das Wort „Handwäsche“ lässt bei manchen innerlich das Bild einer Frau mit Waschbrett aufsteigen, die unter maximalen, körperlichen Einsatz ihre Wäsche über das Brett schubbert. Lasst euch davon aber bitte nicht beeinflussen- wenn ihr das tut, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass eure handgemachten Sachen diese Prozedur nicht überleben. Handwäsche sollte eine schonende Alternative zur Waschmaschine sein.

Wassertemperatur

Auch wenn ihr euch für die Handwäsche entscheidet, müsst ihr auf die Wassertemperatur ein besonderes Augenmerk legen. Gerade dieser Punkt wird bei der Handwäsche oft unterschätzt oder nicht richtig berücksichtigt. Während ihr bei der Reinigung in der Waschmaschine die Temperatur exakt einstellen könnt, ist das beim Wasser aus dem Hahn etwas schwieriger. Am besten schafft ihr euch ein kleines Thermometer an, mit dem ihr auf Nummer sicher gehen könnt. 

Auch solltet ihr beachten, dass Wollfasern zu starke Temperaturschwankungen nicht mögen. Die Gefahr des Einlaufens ist größer, wenn ihr Wollfasern in zu heißes Wasser gebt, bzw. sie nach einem heißen Bad kalt abschreckt.

Waschmittel

Es gibt inzwischen unglaublich viele Mittel zum Waschen von Kleidung- für weiße Wäsche, für Sportbekleidung, oder um besondere Fleckenarten wie Blut zu entfernen. Bei Wolle lohnt es sich allerdings, in spezielle Mittel zu investieren. Diese Wollwaschmittel haben einen besonderen pH-Wert und greifen die natürliche Schutzschicht der Fasern nicht so stark an. Hier im Maschenfein Shop findet Ihr die Woolsoap von Twig & Horn sowie Eucalan, beides sehr sanfte Wollwaschmittel in verschiedenen Duftrichtungen. Auf proteinlösende, bleichende oder extra weichmachende Mittel solltet Ihr verzichten, da die Zusätze hier die Fasern im schlimmsten Fall stark beschädigen können, was das Garn spröde, hart oder matt werden lässt.

Bewegung

Wollfasern haben eine raue Oberfläche. Werden sie ineinander gedrückt, verkeilen sie sich und die Wolle verfilzt. Um diese Gefahr zu vermindern solltet ihr bei der Handwäsche auf zu kräftiges walken und kneten verzichten. Ich persönlich drücke die Fasern häufig nur unter Wasser und wende die Stücke vorsichtig, damit sich die Feuchtigkeit gleichmäßig verteilt. Die Gefahr des Filzens erhöht sich auch, wenn die falsche Wassertemperatur oder das falsche Waschmittel gewählt werden.

Das Wollprogramm der Waschmaschine

Wenn ihr euch nach dem Studium der Garnbanderole entscheiden solltet, dass ihr auf die Waschmaschine vertraut, dann solltet ihr euch am besten im Benutzerhandbuch schlau machen, was ihr an eurem Gerät alles einstellen könnt.

Beim Wollwaschprogram handelt es sich um einen besonders schonenden Waschgang. Die Trommel dreht sich nicht so schnell und nicht so häufig. Die Wassermenge in der Trommel ist höher, damit die Fasern so wenig wie möglich aneinander reiben können. Auch ist das maximale Gewicht der Zuladung begrenzt.

Auch beim Wollprogramm solltet ihr auf ein spezielles Waschmittel zurückgreifen.

Feuchte Wolle richtig trocknen

Nachdem ihr eure handgemachten Kleidungsstücke gewaschen habt, stellt sich oft die Frage, wie sie am besten getrocknet werden. Alle Fasern legen enorm an Gewicht zu, wenn sie feucht sind. Um ein Verziehen von Mustern zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Sachen liegend zu trocknen. Einen ausführlichen Beitrag zum Thema “Waschen und Spannen von Strickstücken” gibt es hier bei Maschenfein auch zu lesen.

Um die Bildung von Beulen zu vermeiden (was manchmal passiert, wenn ihr einen normalen Kleiderständer habt), legt ihr am besten ein Handtuch zwischen Trockengestell und Kleidungsstück. Sollte das Trocknen lange dauern, ist es wichtig das Handtuch  zwischendurch zu tauschen und das Stück zu wenden.

Tabu ist beim Trocknen von Wollstücken der Trockner. Die warme Luft und die Bewegungen der Trockentrommel sorgen dafür, dass die Fasern verfilzen.

Ich weiß, es ist sehr verführerisch die Trocknungszeit zu verkürzen und das handgemachte Stück auf der Heizung zu trocknen, aber manche Fasern werden davon trocken und spröde. Wollt ihr die Heizung als Hilfsmittel nehmen, stellt euer Trockengestell in die Nähe einer Heizung, vermeidet aber, dass es zu warm wird.

Bei Tüchern könnt ihr manchmal den Faktor Gewicht durch Feuchtigkeit für euch nutzen. Statt eure Stücke aufzuspannen, kann es manchmal reichen, sie feucht auszuhängen. Das ist aber nicht für alle Muster gleich gut geeignet. Daher empfehle ich das nur, wenn ihr schon Erfahrungen beim Spannen von Stücken sammeln konntet.

Aufbewahrung von Wollsachen

Neben der Wäsche von Handstrick-Kleidung gilt es auch bei ihrer Lagerung ein bisschen was zu berücksichtigen, wenn ihr lange Freude mit euren Werken haben möchtet.

Bevor ihr eure Werke im Schrank oder der Kommode unterbringt, solltet ihr auf Nummer sicher gehen, dass sie durchgetrocknet sind. Zwar enthält Wolle immer eine gewisse Menge an Feuchtigkeit, allerdings sollte sich das Gewebe nicht klamm oder feucht anfühlen. Solltet ihr die Stücke zuvor nicht gewaschen haben, ist es gut, wenn ihr sie vor dem Einlagern nochmals auslüftet und durch leichtes Ausklopfen von Staub und Hautschüppchen befreit.

Liegend oder Hängend aufbewahren?

Nicht nur feuchte Fasern haben ein enormes Gewicht. Auch im trockenen Zustand können sich eure Kleidungsstücke verziehen. Damit sie nicht ausleiern, empfiehlt es sich, Strick- und Häkelstücke immer liegend aufzubewahren. 

Handgemachtes vor Motten schützen

Es gibt wohl ein Wort, dass jedem Wollliebhaber den Angstschweiß auf die Stirn treibt: „Motten“. Diese Falter sind kein Hygieneproblem und ganz vermeiden kann man diese nervigen Untermieter zu keinem Zeitpunkt. Häufig beginnt alles mit einem verirrten Weibchen, das sich im Kleiderschrank oder dem Wollstash einnistet. Kleidermotten lieben Proteine – Wollfasern sind da ebenso gut wie an der Kleidung haftende Hautschüppchen. Trotzdem könnt ihr ein paar Maßnahmen ergreifen um euren Kleiderschrank nicht zur Traum Kinderstube werden zu lassen:

Duftkissen, Zedernholz und Mottenpapier

Motten mögen keine intensiven Gerüche. Daher solltet ihr euren Schrank mit ausreichend Duftträgern bestücken. Das gute alte Lavendelsäckchen oder einige Stücke Zedernholz helfen hier weiter. Wenn es intensiver sein soll, dann könnt ihr auch auf Mottenpapier zurückgreifen. Beachtet aber bitte, dass diese Produkte Insektizide enthalten, die ihr eigentlich nicht um euch haben wollt. Greift daher im besten Fall erst auf solche Mittel zurück, wenn ihr mit natürlichen Alternativen nicht weiterkommt.

Gute Belüftung

Wenn ihr eure Kleidung, ob handgemacht oder nicht, schützen wollt, solltet ihr euch angewöhnen eure Sachen regelmäßig zu lüften und auszuklopfen. So entdeckt ihr frühzeitig ob eure Sachen als Brutstätte auserkoren wurden und macht es für die Insekten unattraktiv dort ihre Eier abzulegen- wer mag schon unruhige, zugige Fleckchen?

Falls ihr noch mehr Tipps sucht, was ihr gegen Motten tun könnt, dann lest euch dazu auch meinen Beitrag auf mein gehäkeltes Herz durch.

Das waren also meine Tipps und Infos rund ums Thema Pflege und Aufbewahrung von selbstgemachten Sachen.


Mein Name ist Jasmin und wenn ich mich nicht gerade in einem Wolladen vergraben habe, dann schreibe ich über meine Häkelleidenschaft.
Ursprünglich stamme ich aus Neu-Ulm, der Stadt, neben der Stadt mit dem höchsten Kirchturm der Welt und bin folglich mit dem schönsten Panorama der Welt vor der Nase aufgewachsen. Im echten Leben habe ich Erziehungswissenschaften studiert und arbeite als Jugendsozialarbeiterin.  In meiner Freizeit gehört dem Fotografieren und dem Häkeln mein Herz.

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Mehr Informationen zum Thema Waschen und Pflege findet Ihr auch im Maschenfein Grundlagenbuch
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4 Kommentare zu “Woll-Wissen {Handgemachtes richtig pflegen und aufbewahren}

  1. Toller Artikel, vielen Dank!
    Könntest du, liebe Jasmin, das Etiketten herstellen mit Bügelfolie ein bisschen näher erklären? Welche Bügelfolie( Hersteller) ect. Die Idee finde ich super, auch wenn mal was verschenkt wird. GrüßLe Lucia🌺

  2. Ich liebe eure Beiträge und lese sie immer mit grossem Interesse. Danke, dass Ihr Euch diese Mühe macht.
    Liebe Grüße
    Claudia

  3. Toll geschrieben, mit viel Herz ♥
    Da wird das lesen nicht langweilig…Auch nicht bei erfahrenen Stricker*innen.
    Weiter so. Ich liebe eure Ideen, jedesmal!

Kommentare sind geschlossen.

Über Marisa

Die ersten Maschen schlug ich mit meiner Oma Lotti mit etwa fünf Jahren an. Hier auf meinem Blog teile ich nun viele Jahr später Inspirationen, Anleitungen, Tips und Tricks rund um meine große Leidenschaft fürs Stricken, Wolle & Co.