Maschenfein {meets} Heidi von Wool Rocks

Mein Feedreader, in dem ich mich regelmäßig durch Blogs klicke, ist prall gefüllt mit schönen Seiten, die ich schon lange Zeit lese. Einige kommentiere ich fleißig, andere lese ich still und wieder andere Blog-SchreiberInnen habe ich sogar persönlich kennen gelernt. Ich möchte Euch hier in der Serie maschenfein {meets} in unregelmäßigen Abständen, einige davon vorstellen und selber mehr erfahren.

Woolspire Heidi NymannFoto von: Inger Marie Helgasdatter Mulvad

Als ich Heidi vor vielen Jahren, um genau zu sein im Frühjahr 2012 auf The Hive, der Blogger-Konferenz kennen gelernt habe, war sie gerade dabei, ihren Strickblog „Wool Rocks“ zu starten. Ein Blog nur über’s Stricken? Ich wunderte mich. Wie kann ein Mensch denn so viel stricken, dass er oder sie sogar noch drüber bloggen kann? Sie erzählte mir also von ihrem Blog und strickte dabei. Seither las ich gern bei ihr und tauchte ein in die skandinavische Strick-Welt. Dort oben ist das Stricken noch viel präsenter als bei uns, so kommt es mir vor. Ich habe Heidi ein Jahr später, nämlich 2013, hier in Berlin zu einem kleinen Strick-Event eingeladen (auf Engelenchen habe ich damals darüber berichtet). Ihren Blog gab es immer noch und sie strickte einen Pullover. Waaas?! Dachte ich. Einen ganzen Pullover – würde ich mich niemals nie trauen….

Heute freue ich mich sehr, euch Heidi in meinem ersten maschenfeinen Interview – auf meinem Strickblog – vorzustellen. Ich habe mit Ihr geskyped und wir hatten dabei beide Strickzeug auf dem Schoß. Sie hat mir viele spannende Dinge erzählt, unter anderem ein wenig mehr über das Start-up Woolspire, bei dem sie heute als Community Manager arbeitet und wodurch sie das Stricken zu mehr als einem reinen Hobby gemacht hat. Das Interview habe ich für Euch auf Deutsch übersetzt!

Heidi, erzähl uns doch kurz etwas über dich. 

Hallo! Ich bin Heidi, Mitte 30 und komme ursprünglich aus Oslo, Norwegen. Ich lebe jetzt aber in Kopenhagen, Dänemark mit meinen zwei kleinen Söhnen, meinem Mann, einer Katze und seeeehr viel Wolle. Ich bin absolut Wolle- und Stricksüchtig.

Heidi Strickblog Wool RocksDie grüne Strickjacke ist ein „Featherweight Cardigan“. Rechts ein typisches Bild: Heidi beim stricken-on-the-go, hier zweifädig mit Pickles merino tweed und Pickles thin alpaca.

Deine Stricksucht bemerkt man schon, wenn man Dir auf Instagram folgt. Wie und wann hast Du denn mit dem Stricken begonnen? Wie kam es zu all dem, was Du daraus entwickelt hast?

Ich habe in der Schule stricken gelernt und schon meine Mutter strickte immer. So richtig habe ich aber erst damit begonnen, als ich mir das Rauchen abgewöhnt habe. Ich lebte damals in Edinburgh. Ich habe dann weiter gestrickt und langsam aber sicher wuchs die Besessenheit. So richtig brach sie aus, als ich mit meinem ersten Sohn schwanger wurde. Irgendwie gehen der Nestbautrieb und das Stricken ganz gut miteinander einher. Mein Kleiner sollte natürlich von mir Selbstgestricktes tragen und daraus entwickelte sich alles was ich jetzt tue.

Was ist denn Dein liebstes Garn im Augenblick? 

Ich liebe das Garn Peruvian Highland von Filcolana, einer dänischen Firma. Es ist weich, aber reine Wolle und eignet sich einfach für alles, von Mützen bis hin zu Strickjacken mit Steeks (Anmerkung: Steeks sind Maschen, die nach dem Stricken aufgeschnitten werden). Obwohl dieses Garn sehr viel dicker ist als das, womit ich so normalerweise arbeite (16 Maschen auf 10cm auf einer  5er Nadel), liebe ich es sehr.

Was ist Dein absolutes all-time-favorite-Teil, das Du Dir je selbst gestrickt hast? 

Ich liebe noch immer meinen Eulen-Pullover sehr. Er war mein allererstes großes Projekt, ist von Fehlern übersät, hat Löcher und ist schon sehr viel getragen. Ich plane, eines Tages einen zweiten zu stricken. Ich mag auch meinen Marius Sweater sehr, den mir meine Schwester gestrickt hat.

Unterwegs StrickenHeidi am Stricken. Hier im „Faire Isle Sweater„, den ihre Schwester gestrickt hat, #wow!!!!

An welchen Projekten strickst Du denn jetzt gerade? Und was steht als nächstes auf Deiner Liste? 

Ich stricke gerade an einer Zigzag Mütze der Norwegischen Designerin Marion R in wunderschöner dünner Alpaka Seide Mischung. Daneben arbeite ich an einigen einfachen Anfängerprojekten für eine Workshop-Serie, die ich beim MADE Festival unterrichte. Und ich habe noch einen Hitchhiker von Martina Behm in wunderschöner Wolle von Wollmeise auf den Nadeln.

Auf meiner Liste habe ich noch einen traditionellen Norwegischen Faire Isle Cardigan („Kofte“ genannt) in Norwegischer Wolle stehen. Und ich möchte unbedingt etwas aus dem neuen Buch von Signe Strømgaards stricken, für meinen großen Sohn. So viele Dinge auf der Liste… und so wenige Zeit!

Stricken für KinderEine Decke aus Resten gestrickt. 

Dein Blog „Wool Rocks“ war der allererste reine Strickblog, dem ich gefolgt bin. Wie kam es zu diesem Blog und hattest Du bereits Blogerfahrung?

Wool Rocks habe ich kurz nach der The Hive in Berlin in 2012 gestartet. Ich hatte auch vorher schon einen Blog, mit dem Fokus auf Handgemachtes, sehr viel Design aus Deutschland sogar. Da ich aber nicht Nähen kann, strickte ich eben. Auf The Hive ging es sehr viel um das Thema Fokus – fokussiere Dich auf ein Thema beim Bloggen. Ich lernte jemanden kennen, die jetzt den größten Beauty Blog in Dänemark führt. Ich kam also zu dem Schluss, dass ein Strickblog genau das richtige für mich war. Und ich hatte das Gefühl, dass ein Blog, der auch über Designer und Techniken erzählt, einfach fehlte.

Seit dem Start Deines Strickblogs bist Du offensichtlich mehr und mehr in die Skandinavische Strickwelt eingetaucht. Ist das Stricken zum Job geworden? Oder ist es noch immer „nur“ ein Hobby?

Das Stricken selbst ist ein Hobby, aber ich habe es auf gewisse Weise auch zum Job gemacht. Schon im Mai 2013 begann ich für das heutige Start-Up Woolspire zu arbeiten. Wir sind eine Gruppe von Leuten mit unterschiedlichen Hintergründen. Wir hoffen Woolspire zu einer Website mit vielen Inspirationen, Artikeln, Anleitungen, Blogs und mehr zu machen. Es wird auch eine deutsche Seite geben. Es geht ausschließlich um Stricken, Häkeln und Wolle. Modern, mit einem lokalen Fokus.

Es gibt so viele altbackene Stricksachen in den Medien. Wir hatten das Gefühl, den Leuten zeigen zu wollen, dass man nicht jenseits der 50 sein muss, um zu stricken. Gerade jetzt, wo es in den Medien so viel um das Thema geht wie und wo Kleidung produziert wird, ist es einfach toll, sie selbst herzustellen. Es passiert gerade sehr viel auf Woolspire, ich kann noch nicht mehr verraten. Stay tuned!

Stricken für KinderNoch ein Projekt aus Resten – eine Schnecke für’s Kinderzimmer. 

Vielen, vielen Dank, Heidi für die spannenden Einblicke hinter deinen Blog und die aktuelle Entwicklung drum herum. Ihr könnte Heidi übrigens auch auf Instagram folgen, wo sie uns fleißig an ihren Strickprojekten teilhaben lässt!

10 Kommentare zu “Maschenfein {meets} Heidi von Wool Rocks

  1. eine schöne Idee ist das mit den Interviews….. so lernt man gleich noch mehr Strickblogs kennen….. der von Heidi gefällt mir wirklich sehr und ich hab mich dort auch mal gleich eingetragen… auch wenn ich nur die Hälfte verstehe… aber egal, hübsche Stricksachen muss man ja auch nur anschauen 🙂

    Liebe Grüße
    Pamy

    1. Ja, ich versteh ja auch oft nur die Hälfte, manchmal übersetzt sie einen Teil auch ins englische. Die ganz wichtigen Dinge bekommt man also mit :). Liebe Grüße

  2. Ich finde die Idee auch toll! Gerade Strickblogs kenne ich bisher noch sehr wenig – deshalb hab ich mich übrigens auch sehr über deinen neuen gefreut 🙂
    Und das Interview mit Heidi ist wirklich ein schöner Start!
    Liebe Grüße
    Christiane

  3. Was für eine schöne Idee, das gefällt mir. Es gibt ja doch viele Strickblogs, aber eben viele sehr ähnliche, von älteren Frauen, die Socken stricken … schön, mal etwas frischeres kennenzulernen! Ich hofe, da kommt ganz viel frischer Wind in meine Liste bei Feedly 🙂
    Die Übersetzung hast du gut gemacht!
    Kleiner Hinweis: Auf dem letzten Bild ist das aber doch eher eine Schlange, als eine Schnecke, oder?

      1. Snail und Snake ist immerhin nicht ganz so weit voneinander entfernt wie Schnecke und Schlange … obwohl … du hast Recht. Ist nix mit rausreden 😀

  4. Ich seh schon, ich werde gerne hier lesen – und bestimmt bald wieder mehr stricken. Hey, immerhin darf ich das bald ganz offiziell – wenn ich nämlich in weniger als einem Jahr dann auch (endlich) über 50 bin. Yuppie – hoffentlich finde ich dann auch Gefallen an *Altbacken*. hihihihi…. Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende.

      1. Hallo Marisa,
        toller Blog, unterhaltsame Beiträge und manchmal doch spezielle Designer ( Heidi) mit interessanten Ansichten über das Alter.
        Liebe Grüße Petra

Kommentare sind geschlossen.

Über Marisa

Die ersten Maschen schlug ich mit meiner Oma Lotti mit etwa fünf Jahren an. Hier auf meinem Blog teile ich nun viele Jahr später Inspirationen, Anleitungen, Tips und Tricks rund um meine große Leidenschaft fürs Stricken, Wolle & Co.